Beim Scharlkramer
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Davor: Süß
Heute: Familie Hainzl, Moosinning, Erdinger Straße 6
Früher: Moosinning, Haus Nr. 85, davor Haus Nr. 59

Erklärung:
„Scharlkramer“ ist sowohl personenbezogen (siehe 1878), weist aber auch auf die Kolonialwarenhandlung (Krämerei) hin, die Jahrzehnte dort betrieben wurde.
„Süß“ ist personenbezogen, könnte aber auch ein Hinweis auf das Vorhandensein einer „süßlichen“ Brunnenquelle sein, von der Dr. Josef Burgholzer in der 1795 erschienenen „Dorfgeschichte von Moos-Inning in Niederbaiern“ schreibt, die ihn „die erste gelabt“ hat. Burgholzers Eltern lebten in dem Haus, siehe 1754.
Die ersten bekannten und dokumentierten Besitzer der Hofstelle waren laut Familienbuch des Archivs des Erzbischöflichen Ordinariats München leider nicht exakt datierbar ein Wolfgang Süß, 1632 verstorben und Katharina Süß, 1634 verstorben. Weiters Christoph Süß, Ehegatte von Elisabeth Süß, beide 1684 verstorben sowie der Kaspar Süß, 1631 geboren und im September 1650 an der Pest verstorben, verheiratet mit Barbara, 1649 ebenfalls an der Pest verstorben und in zweiter Ehe verheiratet mit einer Ursula, die wiederum im September 1650 an der Pest verstarb.
Genauer datieren lässt sich die Hochzeit von Johann Süß mit der Anna Süß im Jahre 1677. Der Balthasar Stömaier-Lehner, Süß, heiratete im Jahre 1684 die Katharina, bevor der Leonhard Burgholzer, 1731 mit 73 Jahren verstorben die Barbara und in 2. Ehe die Katharina, 1738 mit 65 Jahren verstorben, heiratete. Kaspar Burgholzer, 1736 mit 48 Jahren verstorben, Sohn des Leonhard und der Katharina Burgholzer, ehelichte dann 1728 die Maria Brandmaier. Thomas Hörl (1693 bis 1762) heiratete 1736 die Maria, Witwe des Kaspar Burgholzer, die 1748 mit 40 Jahren verstorben ist. Im Jahre 1754 heiratete sodann der Augustin Burgholzer (1727 bis 1784) die Anna, ebenfalls eine geborene Burgholzer, 1798 mit 70 Jahren verstorben.
Anmerkung:
Aus dieser Ehe ging Dr. Josef Burgholzer, Lizentiat, Oberregistrator und Heimatforscher der Ortschaft Moosinning hervor. Hofnachfolger wurden dann im Jahre 1786 der Kaspar Burgholzer, 1812 verstorben und seine Ehefrau Anna Strigl, „Tochter des Mühlhans in der Schwaige“.
Nach dem Tod von Kaspar heiratete noch im selben Jahr 1812 der Clemens Pointner, Häusler und 1/8-Höfler, 1782 geboren und 1859 verstorben die Hofnachfolgerin und Witwe Anna Burgholzer (1782 bis 1859).
Im Jahre 1846 übernahmen Georg Strasser und Maria, geborene Pointner, von den Eltern Clemens und Anna Pointner das Anwesen mit 50,80 Tagwerk. Die Grundstücke wurden bis auf den Restbesitz der Plan-Nr. 136 und 137 (Hofgrundstücke) zu dem eingetauschten Anwesen Nr. 112 – neu 59 – Degelmann, heute Dorfstr. 50 (Gröber), siehe auch „beim Degelmann“ transferiert.
1878 erwirbt Scharl Melchior mit seiner Frau Magdalena den Restbesitz und transferiert von Haus Nr. 112 (s.o.) 19 Tagwerk hierher.
1880 erfolgte ein Wohnhausneubau und 1882 wurde der Hof von Schaider’scher Distrikts Armenfonds mit 12,33 Tagwerk ersteigert, bevor ihn ein Jahr später 1883 Kapfhammer Alois und Therese, geborene Aneser, um 2.500 Mark erwarben.
Im Jahre 1888 übernehmen Kapfhammer Xaver und Therese das Anwesen und 1892 wird Therese Kapfhammer nach Ableben des Mannes Alleineigentümerin und heiratet im selben Jahr den Simon Hainzl. Er wird durch Ehevertrag Miteigentümer.
Anmerkung:
Geboren ist Simon Hainzl am 11.10.1864 in Wasentegernbach. Seine Eltern hießen Lorenz Hainzl und Anna Hainzl, geborene Sedlmair. Lorenz Hainzl war zum Zeitpunkt der Hochzeit von Simon und Theresia bereits tot.
Aus der Sammelakte zur Eheschließung ist zu entnehmen, dass er in Wasentegernbach gestorben ist.
1919 übernehmen Kaspar (1893 bis 1979) und Anna Hainzl (1894 bis 1982) das 6,50 ha große Anwesen, die es 1966 an den Sohn Xaver Hainzl (1919 bis 1974) in Gütergemeinschaft mit Maria (1924 bis 1990), geborene Stimmer übergeben.
Anmerkung:
Die Maria stammt aus dem Sagmüller-Anwesen, siehe auch „beim Sagmüller".
1990 ging die Hofstelle durch Erbfolge wiederum an den Sohn Franz Xaver Hainzl, der den dort untergebrachten Gemischtwarenhandel gemeinsam mit seiner Mutter Maria bis zu deren Tod 1990 betrieben hat und bis zum Jahre 1995 auch weiter betrieb.
Anschließend wurde das Gebäude vermietet, u.a. an ein Modegeschäft, eine Versicherungsagentur und Lotto-Toto- Annahmestelle. Der vorletzte Mieter Matthias Hofmann leitete jahrelang dort ein Cafe mit Imbiss und Backwarenverkauf, eine Reinigungsannahmestelle und auch die Deutsche Post AG fand in dem Gebäude für Jahre eine Bleibe. Der letzte Mieter betrieb bis 2025 die Pizzeria „Milano“.




